Beinahe wäre der Ehrenfels in der Versenkung verschwunden und nie wieder aufgetaucht - vergessen war er jedenfalls lange genug. Dass diese klassische Urgesteinsriede heute wieder große Lage sein darf, verdankt sie einem Mann. Der Winzer, der dem Senftenberger "Weinfels" die Ehre zurückgab, ist Franz Proidl.
Peter Schleimer - Vinaria Magazin

Riede Ehrenfels

Tradition

Größe: 2 ha
Sorten: Grüner Veltliner, Riesling
Ausrichtung: Süd bis Südost
Seehöhe: 240-310 m
Steigung: 45-60 Grad

Boden:
Granit der böhmischen Masse, darüber nur grob verwitterter Gföhler Gneis in geringer Auflage (20-80 cm)

Es handelt sich sicher um die trockenste und heißeste Riede Senftenbergs, die 1437 erstmals urkundlich erwähnt wird. Aufgrund ihrer Steilheit (45-60°) und ihres kargen Bodens wurde um 1900 und 1930 ein Teil und ab 1945 der ganze Weinberg nicht mehr bewirtschaftet.

In den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg ging es beim Wein darum, wieder so etwas wie eine günstige Grundversorgung herzustellen. Da dies vorzugsweise mit Weinen aus leicht zu bewirtschaftenden Lagen erzielt wurde, geriet der Ehrenfels allmählich in Vergessenheit. Meine ersten Nachforschungen ab 1986 lösten daher im besten Fall Verwunderung und Erstaunen aus. Durch die Feststellung einiger alter Weinbauern („Fü griagst net, oba guat is a“, einer erinnerte sich sogar „Der Wei hot sogoa um 1925 in Wean amoi a Goldmedaille kriagt“) ermutigt, begannen wir ab 1988 den Berg zu erwerben, von Gestrüpp bzw. Wald zu befreien und wieder mit Rebstöcken zu bepflanzen.

Die um 1985 einsetzende Aufbruchstimmung im österreichischen Weinbau und die dadurch hervorgerufene Nachfrage nach exzellenten Weinen haben dies ermöglicht. Denn schwierige, wenig ertragreiche Lagen sind immer ein Spiegel des Wohlstandes einer Gesellschaft und ihre Bewirtschaftung wird immer mit einem Hauch Luxus verbunden bleiben. Der „Gewinn“ der Lage Ehrenfels geht aber für uns, die wir das Privileg genießen, dort arbeiten zu dürfen, weit über einen oft genug an der Kippe stehenden (Geld-)Ertrag hinaus.